Replica, 2019

Raumskulptur in der Kunsthalle Düsseldorf Beitrag zur Ausstellung d-polytop Kunst aus Düsseldorf 23.2. - 28.4.2019

Tischlerplatte, Wandfarbe

Ralf Werner formuliert und konstruiert seine Werke im und mit dem Raum. Seine Arbeiten loten ungemein präzise das Verhältnis eines real-funktionalen zum real-künstlerischen Raumgebilde aus, in dem wir uns einerseits bewegen und andererseits nur Beobachter sind. Der konkrete, umbaute Raum liefert Vorgaben und Elemente für eine imaginierte Raumgestalt, die mit dem physischen Raum in spannungsreiche Beziehungen gesetzt wird. Im Rahmen der Ausstellung d-polytop ist es die „Struktur“ der Raumverbindung von Kino- zu Emporensaal in der Kunsthalle Düsseldorf, deren Raumkörper als verkleinerte Replik an einer Wand im Kinosaal verankert wird. An dieser Stelle ist die Wandfläche durch einen Schnitt geöffnet und nach Innen gewendet. Dieser Schnitt macht auch die unzähligen Schichten von Wandfarbe sichtbar, die der Raum in seiner langjährigen Ausstellungsgeschichte angesammelt hat. Das lenkt unseren Blick auf die weiße Raumhülle aus Gipsfaserplatten, die die Stahlbeton-Struktur der Kunsthalle nach Innen auskleidet. Die Replik ändert ihre Ausrichtung zum Original um 90 Grad, was sich in ihrem Inneren noch zweimal nach demselben Prinzip wiederholt. Der White Cube wird nach dem Matrioschka-Prinzip in sich selbst verschachtelt. Ein temporärer und ortsspezifischer, in allen Details präzise ausgeführter Eingriff in die bestehende Architektur, dem die Kunsthalle selbst als Ursprungsgröße des Raumgefüges eine neuartige Dimension und Raumerfahrung hinzufügt. Werner löst hier wie in vielen seiner Werke spezifische Eigenheiten einer gegebenen Architektur heraus, kopiert diese in veränderter Weise und schafft hierdurch verblüffende Dimensions- und Blickwinkelerweiterungen. Das Reale wird in eine imaginäre Vorstellung verrückt und diese in seinen Skulpturen wieder zu einer materialisierten Sachlage, und damit letztlich zur verblüffenden Gewissheit.

Gregor Jansen

Ralf Werner formulates and constructs his works in and with the space they occupy. With extraordinary precision, his works explore the relationship between a real, functional and a real, artistic spatial structure, in which we move yet are also only observers. The concrete built space around the work provides guidelines and elements for an imagined spatial form, which is related in fascinating ways to the physical space. In the exhibition d-polytop, it is the “structure” of the spatial connection between the auditorium and the Emporensaal of the Kunsthalle Düsseldorf whose spatial body is anchored as a miniature replica on a wall in the auditorium. In this place the wall is cut open and turned inward. This cut also reveals the countless layers of paint that the room has accumulated in its many years of exhibitions. This directs our gaze to the white shell of gypsum fiberboards which covers the reinforced concrete structure of the Kunsthalle Düsseldorf facing inward. The replica shifts its orientation to the original by 90 degrees, which is repeated twice inside it according to the same principle. The White Cube is nested inside itself, like a Russian doll. A temporary and site-specific intervention in the existing architecture, precisely executed in every detail, to which the Kunsthalle Düsseldorf itself adds a novel dimension and spatial experience as the original size of the spatial structure. Here, as in many of his works, Werner isolates specific features of a given architecture, copies and alters them, and thus creates astounding expansions of dimension and perspective. The real is shifted into an imaginary idea, and in his sculptures this becomes a materialized situation and thus ultimately a puzzling certainty.

Übersetzung:Anthony DePasquale